Nur einer dieser Steine

Kennt ihr das Gefühl von den eigenen Gedanken überrollt zu werden? Keine Kontrolle über sein Leben zu haben und irgendwie vollkommen überfordert zu sein.Und dann kommt dieser Moment, in dem alles aus einem herraus bricht und man in einem völlig unpassenden Moment in Tränen ausbricht und einfach nicht aufhören kann zu weinen.
Genau diesen Moment hatte ich am Freitag. Es war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien und ich muss sagen, ich saß morgens schon total müde in der Schule. Ich hatte nur 6 Stunden deswegen dachte ich, der Tag würde schnell vorbei gehen. Die ersten vier Stunden waren an sich auch völlig in Ordnung nur dann kam die 5.Stunde. Ich hatte Ew ( Erziehungswisschenschaften). An sich mag ich das Fach total und die Lehrerin und der Kurs sind auch ganz okay. Nur in dieser Stunde meinte die Lehrerin " Wir gucken jetzt mal Ups die Pannenshow, ich guck das total gerne". Ich find das generell irgendwie scheiße und kann darüber überhaupt nicht lachen. Der ganze Kurs guckte sich dann die Videos an und war am lachen. Ich saß da und guckte ein bisschen aus'm Fenster. Mich überkam dann irgendwie eine tiefe Traurigkeit. Vielleicht war es auch Sehnsucht oder Neid. Die anderen können über solche Sendungen lachen und ich nicht. Ich weiß nicht wie, aber meine Lehrerin hat gemerkt, dass es mir nicht gut geht. Sie saß zwar schräg hinter mir und konnte mein Gesicht eigentlich gar nicht sehen. Sie sagte dann irgendwann " Dir gehts heute aber auch nicht gut ne? " Und ich dann nur so " ne nicht wirklich". Kurz nachdem sie das gesagt hatte, schossen mir die Tränen in die Augen und ich konnte nichts tun, damit es aufhörte. Später kam die Lehrerin noch zu mir an den Tisch und meinte, ob das jetzt wegen der Sendung wäre und ob ich raus gehen möchte." Ich habe beides verneint und war froh, dass sie nach der Stunde nichts mehr dazu gesagt hat. Verrückt alle lachen über Ups die Pannenshow und ich sitze da und heule.
Aber wundert tut mich diese Heulattacke eigentlich nicht wirklich. Ich hatte so ne völlig bescheuerte Woche und alles lief irgendwie nur schief. Ich hatte rießigen Stress mit fünf Freundinnen, weil die mitbekommen haben, dass ich rauche. Klar, es ist scheiße und gesundheitsgefährdend, aber wissen die den Hintergrund, wissen die warum ich überhaupt angefangen habe zu rauchen. Natürlich nicht. Ich hatte diese Woche 5 Fahrstunden und eine davon war die reinste Katastrophe. Dann hab ich noch eine Klausur wiederbekommen, bei der ich eigentlich dachte es wäre eine der besseren. Aber nein, die war ganz knapp 4- , halber Punkt zu 5 oder so! Ich wäre fast zusammengeklappt als ich das gehört habe. Und so ging die Woche weiter ständig hat irgendwas wieder nicht geklappt und ständig kam eine Katastrophe nach der nächsten. Ich bin ja so froh, dass gestern und heute einigermaßen in Ordnung sind bis jetzt zumindest.
Allerdings bereitet mir Weihnachten in zwei Tagen verdammte Magenschmerzen. Weihnachten ist in meinen Augen unnötig. In den meisten Familien wird Weihnachten nur gestritten. Alle sind genervt und streiten sich. So ist das bei uns fast jedes Jahr. Mal schlimmer, mal weniger schlimm. Ich hasse meine Familie sowieso und dann muss ich da Weihnachten auch noch hin. Zum kotzen ist das. Bei meiner Tante gibts immer so ekelhaftes Fondue. Richtig furchtbar! So merkwürdiges Fleisch in Öl. Ich bin jedes Jahr froh, wenn ich das hinter mir habe. Und das schlimme es ist unglaublich langweilig. Ich kann mich da mit niemandem unterhalten. Ich mag die alle nicht und für mich interessiert sich auch keiner. Ich bin also das schwarze Schaf der Familie. Ich fühle mich immer ausgeschlossen und völlig deplaziert. Am 2. Weihnachtstag kommen Freunde von meinen Eltern. Ich mag die ebenfalls nicht und somit hab ich den ganzen Tag meine Ruhe. Und wenn das Erkältungsmäßig hinhaut kann ich sogar joggen gehen. Und dann sind die schrecklichsten Tage des Jahres auch schon vorbei. Ich wollte unbedingt Ferien haben und jetzt sind Ferien und ich will wieder in die Schule, weil ich das Gefühl habe es Zuhause nicht auszuhalten.

Ich vermisse meine Essstörung. Fast zwei Wochen ist es mittlerweile her. Klar, das Rauchen ist eine akzeptable Alternative aber ich bin fast fest überzeugt davon, dass ich ohne eine Essstörung nicht leben kann.Vielleicht ist das einfach so. Vielleicht gibt es Menschen, die ohne eine Sucht nicht leben können. Und ich bin überzeugt davon, dass ich dazu gehöre. Ich brauche etwas was mich zerstört, sodass ich das Leben nicht so extrem spüren muss. Es ist krankhaft aber es ist so! Ich vermisse die Bulimie so wie einen guten Freund. Jetzt wo mein Kampgeist schwindet und ich die Krankheit wieder haben will, haben meine Eltern natürlich Urlaub und ich kann nicht kotzen. Die Gedanken sind allerdings geblieben. Na jedem Stück Schokolade fühle ich mich so unglaublich fett. Und meiner Meinung nach esse ist davon momentan viel zu viel. Im Grunde weiß ich gar nicht, was ich wirklich will. Ich will wieder so richtig krank sein und mich zerstören aber ich will auch gesund, unbeschwert und frei sein!

und dann hielt ich ein Cover in der Hand



Ihr kennt doch alle diese Gondel. Diese Dinger, mit denen man hoch oben in der Luft sich die Welt von unten angucken kann. Die Welt erscheint klein, unwirklich und doch irgendwie riesengroß.
Man fährt ein wenig hoch um den Ausblick besser genießen zu können. Dann wieder ein Stück nach unten. Rauf und runter. Irgendwann kommt man dann unten an!
Bei mir ist im Moment alles wie eine Gondelfahrt. Ich fahre nicht runter, sondern ich falle. Bin bewusstlos und wach wieder auf. Ich bin momentan wieder mitten in der Klausurenphase. Und ich sage euch, ich habe das Gefühl zu sterben. Besser gesagt, wird es immer mehr und mehr. Ich fühle mich dem Zusammenbruch nah. Allerdings bin ich stärker und härter als ich immer denke. Manachmal frage ich mich, wieviel ein Mensch aushalten kann, bis er zusammenbricht ?! Individuell verschieden würden die einen sagen, die anderen wenn der Druck zu groß wird und der Sinn des Lebens dahinschwindet. Ich stehe irgendwo zwischen oberem drittel und ende der Belastungsgrenze. Seitdem ich nun verstärkt rauche, gehts mir von der Bulimie her deutlich besser. Letzte Woche einen Anfall und diese Woche einen. Für mich verdammt wenig. Und ich bin super glücklich darüber. Nur meiner Psyche geht's nicht unbedingt gut. Ich fühle mich zerissen und irgendwie überladen. Am Montag hat mir mein Körper mal wieder gezeigt, dass ich vom vierten in den dritten Gang schalten muss und nicht mit Vollgas und viel zu hoher Geschwindigkeit durch's Leben rasen soll. Übelkeit und ein kleiner Zusammenbruch in der Schule. Wunderbar.
Immerhin meine Englischlehrerin hat mit meiner Psychologin gesprochen und ist nun nicht mehr so besorgt. Sie versteht nun, dass das Umkippen an sich nichts schlimmes ist. Nur ein Symtom, was irgendwann wieder weggeht. Allerdings hat eine gute Freundin und eine andere aus meiner Stufe das mitbekommen. An sich nicht schlimm sie können auch damit umgehen, aber ich fühle mich so offenbart, so durchschaut! Ich glaube, dass wird der nächste Schritt mich nicht mehr für meine Krankheit zu schämen und sie verheimlichen zu wollen. Aber wie ?! In einer Zeit und Gesellschaft, wo Schwäche keinen Platz hat, wie man immer meint ?! Diese Gedanken schwirren nun immer in meinem Kopf rum. Und eigentlich sind die Klausuren und das Lernen deutlich wichtiger. Ich seh's schon kommen... auch die zweite Klaurenphase wird scheiße! Und das alles nur wegen dieser ganzen verdammten Essstörung. Wie ich es hasse! Jedenfalls bin ich froh, wenn in 8 Tagen endlich endlich Ferien sind!

Irgendwas bleibt

Nimm deine Faust. Schlag sie mir direkt ins Gesicht. Irgendwo zwischen Augenhöhle und Nase am besten das ein möglichst großer blauer Fleck dabei heraus kommt. Dann wäre ich erschlagen.
Ich bin nicht erschlagen, aber ich fühle mich so. Ich bin so unglaublich müde. Und ich frage mich einfach von was ?! Sind das Entzugserscheinungen ? Oder kommt das vom Rauchen? Im Moment rauche ich so zwischen drei und vier Zigaretten am Tag. Viel zu viel , Ich weiß. Aber anders kriege ich die Bulimieanfälle nicht reduziert. Diese Woche waren es nur zwei Mal. Kaum Entzugserscheinungen, aber ich fühle mich trotzdem nicht wirklich gut. Ich fühle mich so leer. Mir fehlt einfach die Bulimie. Aber gleichzeitig bin ich unglaublich froh, dass dieses Rauchen statt Kotzen Prinzip so gut funktioniert.
Am Mittwoch habe ich wieder einen Termin bei der Psychologin, ich bin ja mal gespannt was sie das zu sagt, dass es so gut funktioniert. War ja schließlich ihr Vorschlag! Was nur momentan ganz schlimm ist, ist der Haarausfall. Ich hab ja irgendwie generell Haarausfall, aber seit dieser Woche fallen sie mir ohne Ende aus... Ich will nicht wissen, wieviele Haare ich am Tag verliere 200, 300 Stück oder noch mehr... Ich wills gar nicht so genau wissen. Was ich noch an Haaren auf'm Kopf habe, ist echt ein Witz... Ich hab richtig Angst, dass ich mir meine Haare ganz abschneiden muss... wobei sie doch gerade so einigermaßen lang geworden sind. Ich glaube, dass könnte auch gut vom Rauchen kommen.. Aber so schnell nach 1 1/2 Wochen ?! Wo ich mir auch richtig Sorgen drum mache ist, dass ich vom Rauchen zunehmen werde. So weit ich weiß, nimm man davon ja ab... aber wer weiß schon, ob das in der Theorie wirklich so ist. Heute habe ich jedenfalls mal wieder viel mehr gegessen als ich eigentlich wollte. Aber ich denke ich muss mich jetzt jeden Tag wiegen, damit ich merke, ob ich zunehme oder nicht. Denn das brauche ich im Moment mal so gar nicht!
Ansonsten gehts mir ganz gut nur ich fühle mich eben immer wie erschlagen und das kommt vorallem vom Rauchen, behaupte ich mal so. Meine erste eigene Packung war eine Mallboro Gold, die zweite eine Mallboro Red. Ich meine der Nikotin Gehalt ist bei Red um 0,3 höher als bei Gold und da ich die Packung erst seit gestern rauche, verträgt mein Körper die glaub ich noch nicht.
Ich weiß ja so genau, dass das nicht so der richtige Weg ist aus der Bulimie raus zu kommen, aber momentan leider der einzige! Die Frage ist nur, wird das für immer so klappen... und ich bin mir sicher, darauf mit einem "NEIN" antworten zu können. Außerhalb der Klausurenphase wie im Moment ist das vielleicht möglich. Allerdings wird sich das nächste Woche mit Beginn der neuen Klausurenphase ändern. Ich hab diese Woche drei Klausuren wieder bekommen und ich muss sagen, dass ich alles andere als zufrieden bin. In Deutsch und Franzöisch eine 4 ... mal ganz im Ernst... Sowas muss doch echt nicht sein! Selbst in Mathe habe ich eine 3- geschrieben! Ich hab mich so maßlos geärgert.
Noch schlimmer ist die Geschichte mit meinem Führerschein: Ich hab schon 20 Fahrstunden und brauche noch ziemlich viele. Ich bin nicht extrem schlecht, aber ich bin immer so hibbelig und unruhig. Vielleicht sollte ich 15 Min. vor der Fahrstunde eine Rauchen :-) Danach bin ich meistens ruhiger. Naja... ich werd das mal versuchen, sonst werde ich nie damit fertig werden!

rennen und stolpern

Ich bin die letzten Tage gelaufen, immer weiter, immer schneller. Bloß nicht stehen bleiben. Versuchen alles , wirklich alles zu geben und einfach nur perfekt sein wollen. Ich bin völlig am Rad gedreht ohne es zumerken.... aber mich hat der Schein getrügt. Der Schein nach einem neuen, gesunden Leben ohne Bulimie, Angst und Schmerz. Es war eine reine Illusion, eine optische Täuschung oder ganz derb .. reine Verarsche! Es sei mir nicht gekönnt würde der eine sagen... der andere Gott will das so oder in der Kindersprache der Weihnachtsmann erfüllt dir diesen Wunsch nicht, weil du nicht brav genug warst. Wie dem auch sei.... Leben was ist das eigentlich... wie fühlt sich das an ? Von Zeit zu zeit geht eine Vase weiter kaputt... immer wieder fallen einzelne Scherben heraus bis sie irgendwann komplett zerbrochen ist. Aus mir sind in den letzten Tagen viele kleine Scherben herausgefallen. Germerkt hab ich davon nichts... es tat nicht weh! Heute allerdings viel eine sehr große heraus und die hat die anderen Risse noch größer gemacht.

Ich war am Donnerstag wieder bei der Psychologin. Mittlerweile schon das dritte Mal. Dieses Mal hatte ich den Eindruck, dass es wirklich etwas gebracht hat. Ich habe ihr erzählt, dass ich ab und zu rauche... Sie meinte ich soll mal versuchen mehr zu rauche, wenns mir gut tut und dann versuchen die Anfälle ganz langsam zu reduzieren. Eine Freundin hat mir eine Schachtel Zigaretten besorgt und es hat auch wirklich geholfen. Immerhin vier Tage ohne Anfall. Allerdings rauche ich ein bis zwei Zigaretten am Tag. Mein Limit liegt bei zwei pro Tag. Irgendwie brauche ich die auch, aber das ist schon extrem krass, wie schnell man davon abhängig wird. Heute habe leider die zwei Zigartten gar nicht gereicht. Einen Anfall hatte ich trotzdem und danach hatte ich irgendwie so ein ganz komisches Hungergefühl und hab alles durcheinander gegessen, als ob ich schwanger wäre.... nur die Sauergurken fehlten noch :))


 Naja... die Geschichte mit der Lehrerin ist besser geworden, sie beobachtet mich nicht mehr zumindest fällt es mir nicht auf. Die Psychologin will jetzt mit ihr telefonieren, ich hab ihr das heute erzählt und ich glaube gefallen tut ihr das gar nicht. Und ganz ehrlich, mir gefällt das auch nicht. Eigentlich will ich Abstand von der Lehrerin gewinnen und eigentlich auch nicht mehr so viele über meinen ganzen Müll reden nur klappen tut das so überhaupt nicht... teilweise rede ich jede Woche drei, vier Mal darüber. Meine größte Angst liegt darin die Leute zu nerven oder das sie denke, ich will nur Mitleid. Aber das Rede tut mir einerseits gut aber es schadet mir momentan auch. Und genau darin sieht man wieder, dass sie überhaupt nicht weiß was ich will. Ich habe kein Plan, wie es weitergehen soll. Keine Kontrolle über mich, mein Leben, mein Essverhalten und über meine Gedanken. Was ein fremdbestimmtes Leben. Ich meinem Kopf ist gerade so viel. Er ist viel zu voll. Rießig lange Züge und Lkw's vollbeladen mit Gedanken düsen in meinem Kopf hin und her. Mal davon abgesehen, dass es mich vollkommen wahnsinning macht, fühle ich mich einfach nur erschlagen, obwohl ich ja nur heute einmal gebrochen habe und die letzten vier Tage ziemlich schön waren. Wenn ich versuche nachzudenken bin ich entweder viel zu unruhig oder mir fallen tausend andere Dinge ein die dann gerade wichtiger sind. So richtig über alles nachdenken so ganz in ruhe, aber trotzdem intensiv kann ich gar nicht und ehrlich gesagt, habe ich auch verdammte Angst davor. Jetzt gerade möchte ich einfach nur weglaufen... egal wohin hauptsache weg... weit weg in ein anderes Leben ... raus aus dem ganzen Scheiß hier!

Wenn mich jemand fragen würde, wenn du dein Leben nochmal beginnen könntest, was würdest du ändern. Meine Antwort wäre so gut wie alles. Eigentlich bin ich mit nichts, was ich bisher so getan habe wirklich zufrieden. Einige Sachen waren wirklich fruchtbar dumm und einfach nur unnötig... andere gut und ganz sinnvoll, aber so wirklich zufrieden war ich nie. Und ich glaube, dass werde ich auch nie sein! Vielleicht liegt es in meiner Natur ;vielleicht gönne ich mir unterbewusst auch kein normales, schönes, angenehmes Leben. Vielleicht ist es einfach zum Scheitern verurteilt. Noch nicht jetzt aber irgendwann wird es wohl so sein! Ich könnte mir gerade so in den Hintern beißen. Warum zum Geier musste ich heute wieder einen Anfall haben und Brechen.... Wo ist da der Sinn... vier Tage ging das doch jetzt super gut und warum klappt das jetzt nicht mehr. Warum will ich plötzlich wieder Kotzen, wobei ich doch aufhören wollte. Warum tue ich mir das überhaupt an ?!

Skyscraper

Und manchmal könnte ich trotzallem vor Freunde tanzen, springen und schreien. Ich hab mich heute nachmittag mit zwei guten Freundinnen getroffen und muss sagen ; es hat so verdammt gut getan. Heute morgen wäre ich am liebesten im Bett geblieben und hätte mir die Decke über'n Kopf gezogen, aber als ich dann bei Mira war gings mir wirklich viel viel besser. Irgendwie ist das bei mir immer so. Wenn ich denke es wird richtig furchtbar und ich hab schon fast Angst irgendwo hinzugehen oder irgendwas zu machen, dann wird es meistens richtig gut. Und die Ablenkung war verdammt gut. Klar, meine Gedanken schweifen ständig ab. Aber meine gute Laune und so eine Art Lebensmut ist nach wie vorhanden, auch wenn er unter der Woche meistens irgendwo schlummert. Ich bin einfach froh, dass eben "nur" etwa 10 Leute von meiner Krankheit wissen. Viele Leute können damit entweder nicht umgehen oder kommen vor Sorgen fast um. Sehr beliebt ist auch, wenn du dann nur noch auf deine Krankheit reduziert wirst bzw. die Leute nicht mehr normal mit dir umgehen können. Deswegen passe ich einfach verdammt auf, wie und mit wem ich darüber rede. Vorallem machen dich diese Gespräche, auch wenn sie meistens gut tun, sehr nachdenklich und irgendwie auch traurig. In der letzten Zeit habe ich ziemlich viel darüber gesprochen. Es hat mir gut getan und ich war mit diesem ganzen Scheiß nicht ganz so alleine. Aber jetzt nervt es mich nur noch und immer mehr von sich preis zugeben, ist ein verdammt großes Risiko. Und irgendwie fühle ich mich dann noch mehr alleine und verloren und noch kränker. So bescheurt das auch klingen mag. Deswegen weiß keiner meiner Freunde, die in meiner Stufe sind davon, sonst hätte ich dieses Problem nicht nur mit der Lehrerin sonder auch mit meinen Freunden und da sich sowas extrem schnell in der Stufe rumspricht wüssten es bald alle. Und das will ich mal so überhaupt nicht!
Wenn mich jetzt gerade jemand fragen würde, wie fühlst du dich... ich wüsste nicht was ich antworten sollte. Irgendwie gehts mir gerade schon fast gut, aber gleichzeitig auch schlecht. Im Grunde bin ich Mira und Lara extrem dankbar für diesen Tag. Für ein paar Stunden Ablenkungen, lachen und einfach mal ein fast ganz normales Leben führen. Ihr glaubt nicht wie ich sowas vermisse. Ich weiß zwar nicht mehr, wie man normal ist, was ein normales Essverhältnis ist oder wie ein normales Verhältnis zum Leben aussieht, aber ich weiß, dass das Leben unglaublich schön sein kann, auch wenn ich im Moment davon nicht so viel mitbekomme. Aber dafür, dass ich jetzt schon so lange essgestört bin, ist mein Leben noch verdammt schön und lebenswert. Und dieses Theater mit der Lehrerin führt dazu, dass ich mich noch kränker und schwächer fühle. So ist zumindest mein Eindruck. Als ich gestern oder auch letzte Woche mit ihr gesprochen habe, habe ich gesagt "mir gehts im Moment ja nicht so gut" und sie sagt dann " dir gehts überhaupt nicht gut ( ...) ". Das gleiche Phänomen gibts ja auch in Krankenhäusern. Wenn man immer wieder daran erinnert wird, dass man blass ist oder man sieht, dass es einem nicht gut oder man einfach zu oft über seine Krankheit spricht wieder man noch kränker, auch wenn das eigentlich von der Psyche ausgeht. Ich hab mir jetzt geschworen bis zu den Weihnachtsferien nicht mehr über meine Krankheit zu sprechen... mal gucken, ob es mir dann besser geht. Und auch wenn das jetzt etwas gehässig klingen mag, am liebsten würde ich der Lehrerin mal zeigen, dass ich einfach momentan nicht mit ihr reden will. Klar, die letzten Gespräche gingen von mir aus, aber ich will ihr zeigen, dass ich auch ein normales Leben kenne, ohne Bulimie. Der Unterricht ist mir viel zu anstrengend, aber es gibt auch viele Sache, die mir Kraft geben und die mir zeigen, wie lebenswert das Leben ist. Ich fühle mich momentan teilweise zum zerbrechen und wie ausgekotzt gleichzeitig, aber ich glaube meine Kraft ist noch nicht zuende. Solche Tage wie heute treiben mich an, geben mir Kraft, sodass ich mein Leben genauso weiterleben kann wie es ist! Und diese Erkenntnis ist verdammt wertvoll. Ich weiß nicht, wie die nächste Woche werden wird. Laut Arbeitsplan meiner Mutter etwa so wie diese Woche, aber man weiß ja nie. Und genau, da ist das Risiko, was ist wenn sie mal zwei Stunden eher nach Hause kommt und ich gerade mitten im Essanfall drinn bin oder mit dem Kopf und Finger im Hals über der Kloschüssel hänge. Dann fliegt mein ganzens "Doppel-leben" auf und ich lande in einer Klinik und werde gezwungen gesund zu werden und bin dann wirklich UNFREI!
So bescheuert das klingen mag, aber die Bulimie gibt mir die größte Freiheit, obwohl ich der ärmste Sklave meiner selbst bin.


I want to fly alone

Kennt ihr das, wenn ihr einen Berg hoch geht.. immer höher aber niemals oben ankommt. Niemals die Fahne erreicht und niemals den Gipfel erklimmt. Ihr habt Ziele und Visionen, wollt zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer bestimmten Stelle sein, aber es klappt nicht, egal was ihr tut. Egal, wieviel Kraft ihr aufwendet. Wieviel Energie. Es nützt alles nichts und eure Kraft schwindet von Tag zu Tag. Von außen kommt zwar ab und zu eine neue Lieferung Energie, aber es reicht einfach nicht, um den Vorrat wieder auf zufüllen. Und genauso ist das bei mir gerade auch. Ich hab euch ja von der Lehrerin erzählt, die mich immer beobachtet. Gestern habe ich mit ihr darüber gesprochen. Aber verstanden hat sie es nicht wirklich. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass sie mich irgendwie versteht, aber die Message, die Intention nicht. Ich wünsche mir gerade eigentlich nur, dass sie da von nichts wüsste. Dann hätte ich diesen ganzen Stress nicht an der Backe. Ständig habe ich irgendwelche neuen Probleme oder Sachen, um die ich mich kümmern muss. Und dann kommt dieser Schwachsinn mit dieser Lehrerin dazu. Allein deswegen könnte ich schon drei Mal kotzen. Ich hab mit ein paar Leuten darüber gesprochen und die meinten ich soll versuchen nicht mehr darüber nachzudenken. Aber das sagt sich so einfach. So gerne würde ich die LK's wechseln, aber das geht nicht. Meinen B-Block LK gibts nicht im A-Block und deswegen ist wechseln unmöglich :// Ich glaube bevor mich das noch mehr kaputt macht, muss ich mich damit abfinden, egal ob sie das jetzt versteht oder nicht. Pia meinte, sie spricht dich bestimmt noch darauf an, aber die ist glaub ich jetzt ziemlich sauer und irgendwie fühlt sie sich auch angegriffen. Wenn ich nicht fünf Stunden unterricht bei ihr hätte. Ich übrlege schon ob ich die beiden Stunden am Montag schwänzen soll. Aber erstens merkt sie das dann sowieso, weil sie eben Stufenleitung ist und mich seit sieben Jahr kennt und weiß, dass ich nie krank bin und leisten kann ich mir das im Moment mal so gar nicht. Dafür bin ich einfach viel zu schlecht. In Ew und Bio bin ich vielleicht noch ganz gut, aber das wars dann auch. Und das alles nur wegen dieser bescheuerten Bulimie. Sie ist gerade einfach mehr Feind als Freund und macht mich kaputt und raubt mir meine ganze noch vorhandene Kraft. Letzte Woche elf Mal, diese Woche acht Mal. Vor einem Jahr war ich noch bei ein bis drei Mal pro Woche. Obwohl drei Mal so gut wie nie vorkam. oh man ey. Und im Grunde dreht sich alles nur noch in einem rießen großen, immer enger werdenen Kreis. Ein Kreis der niemals aufhören wird zu existieren. Und eigentlich will ich das alles nicht mehr. Ich hab zwar absolut keinen Plan, was ich eigentlich will. Ich weiß nur, dass ich das nicht mehr will. Aber meine Entscheidungen ändern sich momentan eh alle zwei, drei Stunden. In meinem Kopf herrscht ein einziges Chaos verbunden mit einem rießigen Fragezeichen. Und diese rießen Chaos existiert seit mehr als acht Wochen. Mehr als vier Jahren essgestört, zwei Jahre vorm Abi, schlechte Noten, schwach, müde und völlig desorientiert. Super Vorraussetzung!

With or Without you

Irgendwie fühle ich mich gerade so völlig kontroll und irgendwie auch orientierungslos. Ein kleiner Punkt innerhalb eines rießigen Gefüges von irgendeinem Wirwar von Leben und Gefühlen. Ich irgendwo mittendrinn, völlig klein und unbedeutent.
Das Gute aber irgendwie auch ungute ist, dass ich bis jetzt erst zwei Mal in dieser Woche gekotzt habe. Für mich erschreckend wenig. Egal ob positiv oder negativ. Eigentlich könnte ich mich ja freue sagt die gesunde Seite, aber die kranke sagt gleichzeitig nein das ist viel zu wenig. Eben dieses ganz normale Hin und Her, die Konkurrenz zwischen Gesund und Krank in meinem Kopf. Tagein, Tagaus und von Tag zu Tag wird's nerviger! Letzte Woche war die Kranke zu stark, sodass die Gesunde mal die Klappe gehalten hat. Und auch wenn das an sich nicht schön ist... aber dann hatte ich wenigstes diese zwei Streithähne nicht im Kopf. Und das ist auch mal ganz entspannend. Auch wenn die Woche alles andere als das war. Ich war noch voll in der Klausurenphase. Hab nur gelernt und gebrochen. Hab eine Klausur nach der anderen geschrieben und verkackt, bin jeden Tag in der Schule halb eingepennt und hab mich einfach nur gefühlt wie ausgekotzt und im Kakao erträngt. Am Ende waren es ganze 11 Anfälle. Nicht gerade schwach.
 Aber um ganz ehrlich zu sein: Es tat gut. Und ohne diese permanente Präsenz der Bulimie hätte ich die Woche auch nicht geschafft. Meine Ritzwunden verheilen langsam und im Grunde sind es nur noch Narben. Gestern Abend war ich allerdings so fertig, dass ich um acht Uhr eingepennt bin und heute morgen um acht wieder aufgewacht bin. Und ich war immer noch todmüde. Aber laut meiner kranken Seite darf ich mir langen Schlaf in der Woche, genauso wie "viel" essen nicht erlauben. Und genau an diesem Satz merkt man eigentlich schon, dass ich mich selbst zerstören will. Ich will von der Welt so möglich wie wenig mitbekommen. Zwar irgendwie teilnehmen aber so richtig wahrnehmen und aktiv handeln eher weniger. Verrückt, ich weiß. Eigentlich ist das der Gedankengang von Magersüchtigen, die sich unsichtbar machen wollen und möglichst nicht mehr da sein wollen. Zumindest einige denken möglicherweise so. Nur irgendwie will ich das auch! Fragt mich nicht warum, aber ich liebe dieses Leben nur irgendwie hasse ich es auch. Ich hab im Moment einfach das Gefühl nichts tun zu können, um aus dieser Situation rauszukommen bzw. irgendwas zu verändern, egal ob in positiver oder negativer Hinsicht. Ich weiß einfach selber nicht was ich eigentlich will. Ich bin total plan und initativlos, Es fühlt sich alles so irreal an ,obwohl es mittlerweile schon lange real ist. Aber das Leben zieht an mir vorbei. Und ich rennen in meinem endlos erscheinenden Teufelskreis auf und ab. Ohne Pause und ersichtliches Ende. Als Gefanger, Sklave und irgendwie als Glücklichster und unglücklichster Mensch der Welt. Irgendwo im Nirgendwo.
Und das schlimme ich bin so machtlos.
Ich bin gefangen in meiner Krankheit und allem was dazu gehört.Wenn ich die Kraft hätte für vielleicht zwei, drei Wochen mit dem Kotzen aufzuhören, bekäme ich Entzugserscheinungen und würde wieder in Ohmacht fallen. Passiert das in der Schule, rufen die Lehrer diesmal auf jeden Fall meine Eltern an und dann wissen sie, dass ich Bulimie habe und das wäre das allerletzte, was ich im Moment gebrauchen könnte. Denn dann stände ich unter dauerhafter Kontrolle. Und eigentlich will ich ja nur weg!


 http://www.youtube.com/watch?v=foLZH0se4lA